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Traumdeutung
Hemmungs- und Verlegenheitsträume
Bei Hemmungsträumen geht es immer darum, etwas
nicht vollbringen zu können, weil man zu stark gehemmt ist.
Manchmal bestehen ähnliche Hemmungen auch im Wachzustand, oft sind
sie im Traum aber so stark codiert, dass man den Bezug zur
Realität nicht mehr erkennt. Das gilt insbesondere dann, wenn man
die Hemmungen im täglichen Leben nicht wahrhaben will und vor
allem die Ursachen für dieses Verhalten verdrängt hat.
In vielen Hemmungsträumen erlebt man Situationen, in denen man wie
gelähmt ist. Die körperliche Bewegungslosigkeit steht dann
sinnbildlich für die psychische Hemmung. Sie kann den ganzen
Körper betreffen, was oft auf ein allgemeines Gefühl der
Lebensuntüchtigkeit und Selbstunsicherheit hinweist, das im
täglichen Leben zu starken Hemmungen führt.
Nicht selten sind aber nur einzelne Körperteile (zum Beispiel Arme
oder Beine) im Traum gelähmt. Sie stehen dann für Hemmungen
in einzelnen Lebensbereichen, die sich aus der symbolischen Bedeutung
der betroffenen Körperteile ergeben. (siehe der Traumsymbole)
Manche Hemmungsträume sind Folge einer vorübergehenden
Antriebsschwäche, wie sie oft bei depressiven Verstimmungen nach
einer bedrückenden Lebenserfahrung auftreten. Dann muss man sich
meist keine weiteren Gedanken darüber machen, denn sobald die
konkrete Situation überstanden ist, verschwinden auch die
Hemmungen wieder.
Kehren Hemmungsträume aber häufig wieder, werden sie
vielleicht sogar noch von Angst- und Schuldgefühlen begleitet,
spricht das für eine tiefere psychische Störung, der man,
wenn nötig im Rahmen einer Psychotherapie auf den Grund gehen
sollte.
Auch bei den Verlegenheitsträumen können Angst- und
Schuldgefühle als Begleiterscheinungen auftreten. Man gerät
in solchen Träumen häufig in eine peinliche Situation, die in
unterschiedlichen Bildern dargestellt wird. Man steht zum Beispiel ohne
Bekleidung vor fremden Menschen, was darauf hinweist, dass man sich
bloßgestellt und entlarvt fühlt.
Die Absichten und Wünsche, in denen man sich im Verlegenheitstraum
durchschaut meint, müssen keinesfalls so finster und verwerflich
sein, dass man sich ihrer zu schämen hätte. Es sind oft ganz
natürliche Bedürfnisse und Ziele, wie sie die meisten
Menschen ganz offen zeigen. Deshalb ergibt sich aus derartigen
Träumen vor allem die Frage, weshalb man diese Inhalte bei sich
selbst nicht zulassen kann, sondern sich ihrer schämt.
Das kann bis weit in die Kindheit zurückreichen, wenn man zum
Beispiel durch falsche Erziehung zu strenge Normen und Werte
aufgezwungen bekam, die man später trotz besserer Einsicht nicht
mehr normalisieren konnte. Daraus kann eine schwerwiegende psychische
Störung entstehen, die nur mit fachlicher Hilfe aufzuarbeiten ist.
Andere Verlegenheitsträume spielen Situationen nach, die man
wirklich erlebt hat. Dann kann es sein, dass man schon in der
Realität verlegen war und das im Traum erneut erlebt, um danach
vielleicht darüber hinwegzukommen. Es ist aber auch möglich,
dass man tatsächlich überhaupt nicht verlegen war, sondern
sich erst im Traum bei der nachträglichen Verarbeitung des
Geschehens für das eigene Verhalten schämt.
Das bietet die Möglichkeit, die Situation doch noch zu bereinigen,
indem man sich zum Beispiel für unangemessenes Verhalten
entschuldigt. Aber auch aus dem, was man im Traum für unangemessen
hält, sind zum Teil wichtige Rückschlüsse auf die
Persönlichkeit möglich, denn objektiv kann das Verhalten
unter Umständen durchaus angemessen gewesen sein.
Mit Verlegenheitsträumen sollte man immer arbeiten,
gleichgültig aus welchen Ursachen sie entstanden sind. Die dabei
gewonnenen Erkenntnisse können viel zur Reifung der
Persönlichkeit beitragen.
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