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Traumdeutung
Sind Träume überflüssig? Eine umstrittene Theorie
Wenn
die Theorie, die der britische Schlafforscher James A. Horne 1990 beim
10. Kongress der Europäischen Gesellschaft für
Schlafforschung in Straßburg vortrug, tatsächlich
zuträfe, dann wäre nicht allein diese Seite nur noch
Makulatur.
Auch die Psychoanalyse und andere Therapien, die mit Traumdeutung
arbeiten, brächen zusammen. Aus Untersuchungen in seinem
Schlaflabor an der Universität Loughborough zog Horne nämlich
den Schluss, dass Träume praktisch überflüssig sind.
Zur Erholung sind danach nur die ersten Tiefschlafphasen notwendig, die
von kurzen REM-Phasen unterbrochen werden, nicht aber der durch
längere Traumschlafphasen gekennzeichnete Schlaf in der zweiten
Nachthälfte. Diese bezeichnete Horne als das Relikt aus einer Art
Schlaftrieb, dem wir uns willenlos hingeben.
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Schlaf und Traum - Von Böhlau
Die Vorstellungen, die auch außerhalb der Fachpresse verbreitet
wurden, könnten beim einen oder anderen Leser Zweifel am Sinn der
Traumanalyse wecken. Deshalb sollen hier einige kritische
Überlegungen dazu angestellt werden:
Die Theorie Hornes, die keineswegs allgemein anerkannt ist, sondern von
den meisten Fachleuten als Spekulation zurückgewiesen wird, bleibt
zunächst die Antwort auf eine entscheidende Frage schuldig: Warum
sorgte die Natur dafür, dass alle höheren Tiere und Menschen
Nacht für Nacht träumen, wenn das für die Erholung
überflüssig wäre? Es gibt in der Natur nichts, was
keinen biologischen Sinn hat. Schon deshalb kann diese Theorie nicht
richtig sein.
Außerdem verkennt Horne die Tatsache, dass nur die wenigsten
Menschen mit etwa 4 Stunden Nachtschlaf auskommen, was den von ihm als
wichtig bezeichneten Tiefschlafphasen in der ersten Nachthälfte
entspricht. Richtig ist vielmehr, dass die meisten Menschen nach so
kurzem Schlaf nicht erholt und ausgeschlafen erwachen. Sie fühlen
sich müde, abgespannt und sind wenig leistungsfähig, gereizt
und deprimiert.
Es ist zu einfach, das aus einem „Schlaftrieb“ zu
erklären, für den es ohnedies keinen Beweis gibt, und zu
behaupten, dass man mit so wenig Schlaf auskäme, wenn man das nur
wollte. Die praktische Erfahrung lehrt, dass der versäumte Schlaf
ebenso wie der Traum erzwungen wird, wenn man längere Zeit
entgegen dem persönlichen Schlaf-Wach-Rhythmus nur so kurz
schläft.
Schließlich vergisst diese Theorie auch noch die lange Erfahrung
der Psychoanalyse und ähnlicher Therapieformen mit der Deutung von
Träumen. Sie belegt zweifelsfrei, dass den Träumen sehr wohl
eine Bedeutung für die psychische Gesundheit zukommt. Tatsache ist
unter anderem, dass man aus Träumen zuverlässige
Rückschlüsse auf seelische Vorgänge ziehen kann, die als
zutreffend beweisbar sind.
Das kommt in der Praxis zu häufig vor, als das man es auf Zufall
zurückführen könnte. Vielmehr wird daran gerade
deutlich, dass die Träume eine Funktion erfüllen.
Die Motive, die den Wissenschaftler veranlassten, mit einer derart
vagen Theorie an die Öffentlichkeit zu treten, sind schwer
nachvollziehbar, sofern es ihm nicht nur darum ging, zu provozieren und
Aufsehen zu erregen.
Sicher, wir wissen heute noch längst nicht alles über die
Träume, so dass auch für völlig neue Vorstellungen Raum
sein muss. Wenn diese aber so wenig fundiert sind und so deutlich von
gesicherten Erkenntnissen und Erfahrungen abweichen, tragen sie kaum
etwas zum besseren Verständnis des Traumgeschehens bei.
Lassen Sie sich also nicht verunsichern, wenn Sie mit Ihren
Träumen arbeiten wollen. Seit Jahrtausenden ziehen Menschen daraus
Nutzen, um sich selbst besser zu verstehen und ein errollteres,
glücklicheres Leben im Einklang mit sich Selbst zu führen.
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