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Traumdeutung
Die unbewusste Traumarbeit
Die Inhalte der Träume stammen aus den verschiedensten
Quellen, von denen wir im Wachzustand oft überhaupt keine Ahnung
mehr haben. Längst vergessene, verdrängte Erfahrun- gen des
Lebens spielen dabei ebenso wie unterdrückte Triebe,
Bedürfnisse und andere psychische Vorgänge eine Rolle.
Außerdem hängen viele Träume mit Ereignissen des
vorangegangenen Tages oder mit körperlichen Vorgängen im
Schlaf zusammen. Das erklärt zum Beispiel auch, weshalb man
Krankheiten manchmal "vorausahnen" kann, von denen man im Wachzustand
überhaupt noch nichts spürt.
Das alles wird bei der Traumarbeit, die unbewusst, also ohne Zutun von
Ver- stand und Willen abläuft, zu Träumen verwoben, hinter
denen man die Ursprünge nicht auf Anhieb, sondern erst nach
gründlicher Analyse erkennt. Der vordergründige Inhalt eines
Traums darf also nie mit seinem wirklichen Sinn, mit der
verschlüsselten Traumaussage verwechselt werden.
Die wichtigsten Vorgänge bei der Traumarbeit sind Verdichtungen
und Verschiebungen der verschiedenen Elemente sowie die Umsetzung in
die Traumhandlungen, an die man sich dann erinnert.
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Anleitung zum bewussten Träumen. Traumarbeit als Brücke zum Göttlichen
Verdichtung von Inhalten
Die Verdichtung von Inhalten im Traum hat nichts Geheimnisvolles, man
verwendet diese Technik auch im Alltag ganz selbstverständlich.
Typisches Beispiel dafür ist die Bruchrechnung, bei der man nach
einem Hauptnenner sucht, um die Rechenoperation durchführen zu
können.
Auch Gedichte stellen eine typische Form der Verdichtung (daher der
Name) von Ereignissen, Erfahrungen und ähnlichen Sachverhalten
dar. Auf den Traum übertragen bedeutet Verdichtung, dass
verschiedene Elemente zu Traumbildern als "Hauptnenner" zusammengefasst
werden.
Dabei gehen die einzelnen Teile unter und sind bei oberflächlicher
Erinnerung an das Traumgeschehen nicht mehr erkennbar. Erst durch die
Traumanalyse gelingt es später, die Elemente, die durch die
Verdichtung verschlüsselt wurden, wieder zu erkennen.
Kompliziert wird das Verständnis der verdichteten Traumbilder
dadurch, dass bei der Traumarbeit nicht nur Elemente
zusammengefügt werden, die zeitlich und räumlich, nach
Vernunft und Logik zusammenpassen. Vielmehr werden dabei auch Faktoren,
die überhaupt nicht zusammengehören, ja sogar im Widerspruch
zueinander stehen, zu Traumbildern verdichtet.
Das kann zum Beispiel dazu führen, dass ein Traum zunächst
angstbeladen ist, im weiteren Verlauf aber in ein Gefühl von
Sicherheit und Geborgenheit umschlägt. Auch Wortspielereien,
mehrdeutige Redewendungen und Scherze gehören zu den typischen
Folgen der Verdichtung einzelner Elemente zu Traumbildern.
Nach welchen Gesetzen sich die Traumverdichtung vollzieht, ob sie
überhaupt festen Regeln folgt, kann noch nicht genau beantwortet
werden. Die Verdichtung verfolgt vor allem den Zweck, die
tatsächlichen Elemente so zu verändern, dass sie von den
seelischen Kontrollinstanzen zugelassen werden können.
Damit wird zum Beispiel verhindert, dass psychische Inhalte, die man
fürchtet oder für die man sich schämt, ungeschminkt in
den Träumen sichtbar werden. Da jeder Mensch seine ganz
persönlichen "Leichen im Keller" hat, etwa die vermeintlich
dunklen Seiten seiner Persönlichkeit und seiner
lebensgeschichtlichen Entwicklung oder schmerzliche, be- schämende
Erfahrungen des Lebens, erfolgt auch die Traumverdichtung zumindest
teilweise individuell unterschiedlich.
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Deshalb gibt sie aber bei der Traumanalyse auch Auskunft
über die uneingestandene Problem und Konfliktsituation eines
Menschen, die zwar als unangenehm bis quälend empfunden werden
kann, aber nur die Selbsterkenntnis und Reifung der Persönlichkeit
unabdingbar ist.
Verschiebung der Bedeutung
Die zweite wichtige Methode des Unbewussten, bei der Traumarbeit den
wahren Inhalt eines Traums so zu verzerren, dass die seelischen
Kontrollinstanzen ihn überhaupt zulassen und er bei
oberflächlicher Betrachtung nicht zu erkennen ist, besteht in der
Verschiebung der Bedeutung. Das geschieht ganz einfach dadurch, dass
die Akzente verlagert werden. Was tatsächlich wichtig an dem
Trauminhalt ist, wird in den Hintergrund gedrängt, erscheint
nebensächlich im Traumgeschehen.
Dafür rücken unwichtige Elemente des Traums stark in den
Vordergrund, werden demonstrativ „aufgebläht“ um die
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Zur Traumverschiebung verwendet das Unbewusste bei der Traumarbeit
häufig Erfahrungen und Ereignisse des täglichen Lebens, die
so unbedeutend waren, dass sie überhaupt nicht richtig
wahrgenommen wurden. Sie werden mit den eigentlich wichtigen
Trauminhalten verknüpft, auch wenn sie in keinerlei Beziehung zu
ihnen stehen.
Da es sich um vertraute, harmlose Elemente handelt, deren Ursprung
nicht voll bewusst ist, richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst
auf sie. Wenn man es bei einer oberflächlichen Deutung
belässt, gerät man dadurch leicht auf eine falsche
Fährte, der man um so lieber folgt, als sie nicht zur unangenehmen
Selbsterkenntnis zwingt.
Auch die Traumverschiebung dient letztlich dem Zweck, die Inhalte so zu
verzerren, dass man nicht direkt mit uneingestandenen, abgelehnten
Seiten der eigenen Persönlichkeit und verdrängten Erfahrungen
des Lebens konfrontiert wird. Das ist eine Voraussetzung dafür,
dass sie überhaupt die Kontrolle des Unbewussten passieren und
nach dem Erwachen in Erinnerung bleiben können.
Man kann also auch aus der Art der Akzentverschiebung wieder
Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, ihre
verdrängten Probleme und Konflikte ziehen. Das geschieht oft im
Rahmen einer Psychoanalyse nach Sigmund Freud, für den die
Traumdeutung der „Königsweg“ zum Unbewussten war.
Umsetzung in Traumhandlungen
Nachdem die Elemente des Traums bei der unbewussten Traumarbeit
verdichtet und verschoben wurden, müssen sie zur Traumhandlung
vereinigt werden. Das führt erst dazu, dass aus den einzelnen
Teilen ein zusammenhängender Traum entsteht.
Wir wissen heute noch nicht, welche Areale des Gehirns und welche
körpereigenen chemischen Botenstoffe an dieser Umsetzung der
Traumelemente in lebendige, bildhafte Handlungen beteiligt sind.
Möglicherweise spielt das Hormon Vasotocin und vielleicht auch der
Neurotransmitter Serotonin, die beim Ursprung der Träume
vorgestellt wurden, dabei die entscheidende Rolle.
Und es ist nicht auszuschließen, dass die Zusammensetzung der
einzelnen Traumelemente, die mit Hilfe dieser chemischen Stoffe durch
das Gehirn transportiert werden, letztlich in den zahlreichen
Nervenzellen des bereits genannten Locus caeruleus über dem
Hirnstamm stattfindet, der mit Sicherheit für die Umschaltung vom
Tiefschlaf auf Traumschlaf zuständig ist.
Durch die Verbindungen, in denen die vielen Ganglienzellen hier
miteinander stehen, könnte der „Grundstoff“, aus dem
die Träume bestehen, zu den verschiedensten Handlungen
„verwoben“ werden. Aber wie gesagt, dies ist vorläufig
nur eine Theorie neben anderen, für die es keine ausreichend
gesicherten Beweise gibt.
Bestimmt muss man davon ausgehen, dass neben den genannten beiden
chemischen „Traumstoffen“ und dem Locus caeruleus noch
andere körpereigene Botenstoffe und Areale des Gehirns an der
Umsetzung in Traumhandlungen beteiligt sind.
Anders wäre es nicht zu erklären, dass im Traum zum Beispiel
längst vergessen gewähnte Erinnerungen, die bis in die
frühste Kindheit zurückreichen, wieder auftauchen können
oder körperliche Empfindungen und äußere
Sinneseindrücke während des Traumschlafs zum Teil unmittelbar
in die Traumhandlungen einbezogen werden.
Das alles zeigt, dass Traumhandlungen durch ein sehr komplexes
Zusammenspiel von Gehirnteilen, Neurotransmittern,
Gedächtnisfunktionen, Sinneseindrücken und
Körperempfindungen zustande kommen.
Der menschliche Geist ist heute noch nicht in der Lage, das alles
wissenschaftlich exakt zu erfassen. Selbst Computersimulationen mit
sehr leistungsfähigen Maschinen können bisher die zahllosen
Funktionsabläufe des Gehirns erst zu einem geringen Teil
nachvollziehen
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