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Realitätskontrolle der Traumdeutung verhindert Selbsttäuschung
Die Traumdeutung muss möglichst zutreffend sein, damit
man keine falschen, vielleicht schwerwiegende Konsequenzen daraus
zieht. Das gute oder schlechte Gefühl, das sich nach der
abgeschlossenen Traumanalyse meist mehr oder minder deutlich einstellt,
kann fast immer als recht zuverlässiger Hinweis darauf verstanden
werden, ob man mit der Deutung richtig oder falsch liegt.
Mit der zutreffenden Interpretation kann sich sogar eine freudige
Erregung und Aktivität entwickeln, selbst wenn man durch die
Einsichten erschüttert und belastet wurde, weil sich
langjährige Blockaden lösen und psychische Energie
freigesetzt wird. Eine Fehlinterpretation oder oberflächliche
Deutung hingegen hinterlässt Unzufriedenheit, Missmut, vielleicht
auch Zweifel, ob die Traumanalyse überhaupt, einen Wert hat.
Allein auf das Gefühl muss man sich jedoch nicht verlassen, um
feststellen zu können, ob eine Traumdeutung zutrifft. Man kann das
Ergebnis zusätzlich absichern, indem man es einer
Realitätskontrolle unterzieht. Man prüft dabei, ob die
Deutung in sich schlüssig, vollständig, beständig und
mit tatsächlichen Erfahrungen in Einklang zu bringen ist. Dazu
untersucht man sie unter folgenden Gesichtspunkten:
Wurden alle Traumsymbole und Handlungen durch die Deutung
vollständig und einleuchtend erklärt oder bleiben noch Fragen
offen? Ist die Bedeutung in sich stimmig, können also die dabei
bewusst gewordenen Zusammenhänge miteinander in Beziehung gesetzt
werden, ohne dass Widersprüche auftreten?
Lesen Sie auch:
Träume. Die geheimnisvolle Sprache des Unbewussten Wie wir unsere Träume besser verstehen können. Mit neuesten Erkenntnissen aus der Traumforschung· Ein Standardwerk, das auch für Laien verständlich ist von Verena Kast
Stimmt die Deutung mit dem tatsächlichen
Verhalten, den Einstellungen, Haltungen, Überzeugungen und
Erfahrungen überein, oder kann man sie damit nicht
vollständig in Einklang bringen? Ganz zuverlässig lässt
sich mit dieser Frage aber nicht klären, ob eine Deutung stimmt,
denn unsere psychischen Inhalte und Erfahrungen sind uns längst
nicht alle bewusst - stärkere Abweichungen von dem, was wir
über uns wissen, müssen aber zumindest hellhörig machen.
Vielleicht ist die Deutung wirklich falsch, vielleicht stimmt auch das
bewusste Selbstbild überhaupt nicht; es kann aber auch sein, dass
die Deutung zukünftige Entwicklungen vorwegnimmt, die man im
Augenblick überhaupt noch nicht absehen kann.
Bleibt man bei der Deutung, auch wenn man den Traum später
nochmals durchgeht, die niedergeschriebene Deutung erneut liest; traten
vielleicht sogar Ereignisse ein, die diese Deutung bestätigen oder
in Zweifel stellen? (Bei Deutungen, derer man sich nicht ganz sicher
ist, empfiehlt es sich immer, nach einiger Zeit nochmals eine
Überprüfung vorzunehmen.)
Wenn alle Fragen bejaht werden und ein gutes Gefühl besteht, ist
die Deutung sehr wahrscheinlich korrekt. Andernfalls sollte man sie
nochmals überdenken, vor allem bei sehr wichtig erscheinenden
Träumen.
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