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Traumedeutung, schematische und Trivialdeutungen vermeiden
Wenn 2 Menschen genau den gleichen Traum haben (was
praktisch nicht vorkommt), müsste er noch lange nicht die gleiche
Bedeutung haben. Jeder Traum ist eine sehr persönliche Botschaft,
die man immer nur ganz individuell deuten kann.
Dem scheint auf den ersten Blick zu widersprechen, dass auch in
für zahlreiche Traumsymbole bestimmte Deutungen angegeben werden.
Wenn jeder Traum nur individuell zu verstehen ist, wären solche
lexikalischen Verzeichnisse eigentlich überflüssig.
Tatsächlich verhält es sich jedoch so, dass die Symbole in
vielen Träumen der verschiedensten Menschen (zum Teil auch aus
anderen Kulturkreisen) eine sehr ähnliche Bedeutung haben, die
sich wahrscheinlich mit aus dem überindividuellen kollektiven
Unbewussten erklärt. Individuell sehr verschieden ist also nicht
die Bedeutung der Symbole, sondern die Art, wie sie in der
Traumhandlung zusammengefügt werden. Erst daraus ergibt sich die
ganz persönliche Bedeutung.
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Aus
diesem Grund dürfen Träume niemals schematisch gedeutet
werden, indem man die einzelnen Symbole aus dem Handlungsrahmen
löst und einzelne mit Hilfe des Lexikons deutet. Dadurch
erhält man nur eine Aneinanderreihung von Bedeutungen, die jede
für sich durchaus stimmen kann, aber am Ende doch kaum etwas
über die Traumbotschaft aussagt.
Das wäre ungefähr
so sinnvoll, wie wenn man Steine einzeln nebeneinander legt und
erwartet, dass daraus ein Gebäude entsteht. Das Ganze ist immer
mehr als die bloße Summe seiner einzelnen Komponenten, das trifft
auch für die Träume zu.
Die
Erklärungen zu den verschiedenen Traumsymbolen im lexikalischen
Teil haben nur den Zweck, Denkanstöße zum besseren
Verständnis zu geben. Wenn man weiß, welche Bedeutung die
einzelnen Symbole haben, wird man dazu angeregt, mit diesen Bedeutungen
zu arbeiten, sie in das Puzzle der gesamten Traumhandlung
einzufügen, um zu sehen, ob sie dazu überhaupt passen.
Ist das nicht der Fall, sucht man nach einer anderen Deutung. Man
darf sich also bei der Traumanalyse nie damit begnügen, einfach
aus Symbolen schematisch Rückschlüsse auf die Bedeutung des
gesamten Traums zu ziehen. Das kann zwar gelingen, aber die Gefahr der
Selbsttäuschung ist groß. Stets muss geprüft werden, ob
die angegebene Bedeutung überhaupt zu der Traumhandlung insgesamt
passt.
Trifft das zu, ergibt sich daraus ein Sinn und man gelangt bei der
Analyse ein Stückchen weiter. Ist dies nicht der Fall, bemerkt man
Unstimmigkeiten und Widersprüche. Man muss sich dann fragen,
welche anderen, individuell zutreffenderen Bedeutungen die Symbole in
diesem speziellen Traum haben.
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Trivialdeutungen, also Aussagen über Traumbotschaften,
die belanglos erscheinen, erklären sich ebenfalls häufig aus
der schematischen, oberflächlichen Analyse. Dabei erfasst man
nicht den verzerrten eigentlichen Sinn des Traums, sondern bleibt zu
sehr dem erinnerten tatsächlichen Traumgeschehen verhaftet.
Solche Deutungen hinterlassen im allgemeinen Unzufriedenheit, denn man
spürt instinktiv, dass man die Traumbotschaft damit nicht erfasst
hat. Meist empfiehlt es sich dann, nochmals ganz neu mit der Analyse zu
beginnen.
Es gibt freilich auch genügend Träume, die tatsächlich
nur eine triviale, nichtssagende Deutung zulassen, weil darin zum
Beispiel nur unwesentliche Tagesreste verarbeitet werden. Man darf dann
keinesfalls versuchen, unbedingt einen tieferen Sinn hinein zu
interpretieren, das führt zu nichts.
Wenn man mit der banalen Aussage, die sich bei der Analyse ergab,
eigentlich doch zufrieden ist, keine neuen Assoziationen mehr
entwickeln kann und auch mit Hilfe des Lexikons der Traumsymbole nicht
weiterkommt, wird man sich im allgemeinen mit der Trivialdeutung
begnügen und diesen Traum rasch vergessen können, der nichts
Hintergründiges zu bieten hat.
Erfahrene Traumdeuter merken meist, ob es sich überhaupt lohnt,
mit einem Traum zu arbeiten oder ob er zu banal ist, um sich weiter mit
ihm zu befassen. Natürlich kann man sich dabei auch einmal
täuschen, wird vielleicht auch von inneren Widerständen dazu
verleitet, einen wichtigen Traum vorschnell als trivial abzutun.
Aber dieses Risiko erscheint nicht so schwerwiegend, denn wenn ein
wirklich wichtiger Traum einmal übersehen wird, wiederholt das
Unbewusste die Botschaft häufig in späteren Träumen.
Für die meisten Menschen wäre es zu zeitaufwendig, jeden
Traum gründlich zu analysieren, auch wenn er auf den ersten Blick
unwesentlich erscheint. Es bliebe ihnen zu wenig Zeit, um die
tatsächlich wichtigen Träume ausführlich genug zu deuten.
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