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Übungen zur Enspannung für Fortgeschrittene
Nachdem man sich durch die Grundübungen im vorherigen Kapitel
ausreichend vorbereitet hat, kann man zu schwierigeren Übungen mit
abstrakteren Inhalten übergehen. Sie helfen besonders gut bei der
Traumdeutung.
Traumdeutung - Übung 4
Neben dem bildhaften Vorstellungsvermögen trainiert man durch
diese Übung besonders gut die Fähigkeit zur Konzentration auf
einen einzigen Inhalt (was nicht nur die Traumanalyse erleichtert).
Überdies gewinnt man dadurch besseres Bewusstsein vom eigenen
Körper.
Zuerst stellt man sich vor einen hohen Spiegel, faltet die Hände
hinter dem Kopf und konzentriert sich 2 Minuten lang auf das eigene
Spiegelbild. Der Blick soll dabei ruhig über den Körper
streifen, nicht sprunghaft hin und her gehen. Dabei atmet man ruhig und
gelassen.
Die ungewohnt lange Selbstbeobachtung empfinden manche Menschen als
unangenehm, was oft auf ein gestörtes Körperbewusstsein
hindeutet. Dann betrachtet man sich anfangs kürzer und steigert
die Zeit nur langsam.
Meist tritt auch das Bedürfnis auf; sich zu bewegen, oder man
nimmt ein Jucken und andere Missempfindungen wahr, denen man aber so
lang wie möglich widersteht. Sobald man die Selbstbeobachtung gut
beherrscht, wird sie allmählich bis auf 5 Minuten ausgedehnt.
Anschließend setzt oder legt man sich bequem nieder,
schließt die Augen und lässt anfangs 2 Minuten, später
bis zu 5 Minuten lang die Gedanken zwanglos kommen und gehen. Dann
atmet man einmal langsam tief durch, nochmals langsam tief ein und
stellt sich dabei intensiv im Geist vor: "Vor meinem inneren Auge
erscheint nun ein Bild. Dieses Bild erfüllt mich jetzt vollkommen,
daneben taucht keine andere Vorstellung mehr auf".
Es ist gleichgültig, welche Vorstellung sich dabei entwickelt,
entscheidend ist, dass man sie aus dem Unbewussten aufsteigen
lässt und konzentriert anfangs 2 bis 5 Minuten, später bis 15
Minuten lang festhält. Wenn man das nach einiger Zeit gut
beherrscht, kann man auch bei der Traumanalyse die Trauminhalte wieder
sehr genau reproduzieren und deutliche Assoziationen dazu aus den
Tiefen des Unbewussten emporsteigen lassen.
Zunächst tauchen meist triviale Vorstellungen auf: zum Beispiel
Bilder von Objekten, die man unmittelbar zuvor wahrgenommen hat, oder
Ereignisse des Alltags. Später kommen aber auch Bilder aus dem
Unbewussten, die ähnlich wie die Träume sogar
Rückschlüsse auf verdrängte psychische Inhalte zulassen.
Wer das lange genug übt, kann praktisch jederzeit Kontakt zum
Unbewussten aufnehmen, seine Erfahrungen und Kreativität nutzen,
ob es nun um die Deutung von Träumen oder um die Bewältigung
von Alltagsproblemen geht.
Leben heißt Loslassen. Alles, was wir festhalten, hält auch uns fest
Von Matt G. Abend
Traumdeutung Übung 5
Bei dieser zweiten Übung für Fortgeschrittene entwickelt man
bildhafte Vorstellungen zu abstrakten Begriffen, zum Beispiel Frieden,
Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft, Mut und Treue. Das erleichtert
ebenfalls die Traumdeutung, weil in den Träumen ja häufig
Abstraktionen vorkommen. Wenn man geübt hat, dazu entsprechende
Bilder zu entwickeln, gelingt die Deutung besser.
Man setzt oder legt sich zu dieser Übung bequem nieder,
schließt die Augen, atmet mehrmals gelassen und ruhig tief durch
und lässt die Gedanken kommen und gehen. Dann stellt man sich
einmal intensiv im Geist vor: "Vor meinem inneren Auge entsteht nun ein
Bild, die Vorstellung von. .." (hier setzt man den abstrakten Begriff
ein, mit dem man sich befassen will). Dann wartet man ab, welche
bildhaften Vorstellungen dazu aus dem Unbewussten auftauchen.
Wenn das zu lange dauert, kann man sich zu dem Begriff zunächst
gewissermaßen als Anstoß für das Unbewusste ganz
bewusst verschiedene Aspekte ausmalen, bis die Bilder aus dem
Unbewussten dazu emporsteigen.
Die bildhaften Vorstellungen sollen abstrakte Begriffe mit Leben
errollen, damit sie konkretere Formen annehmen. Dabei entwickelt sich
meist nicht nur ein einzelnes Bild, sondern es entstehen
aneinandergereihte Vorstellungen, die verschiedene Ausdrucksformen des
abstrakten Begriffs im täglichen Leben detailliert ausgestalten.
Man arbeitet immer nur mit einem Begriff, den man bei jeder Übung
weiter ausgestaltet, bis keine neuen Vorstellungen dazu mehr
auftauchen. Erst dann geht man zum nächsten Begriff über. Da
es unzählige abstrakte Begriffe gibt, kann man diese Übung
dauernd mit immer neuen Vorstellungen durchfuhren, um das bildhafte
Vorstellungsvermögen zu trainieren.
Die verbesserte Vorstellungskraft kann auf verschiedene Weise für
die Traumanalyse genutzt werden: Wichtig ist zunächst, dass man
mit ihrer Hilfe die Traumerinnerung deutlich verbessern kann; dazu
versucht man, den Traum vor der Aufzeichnung ins Traumtagebuch nochmals
möglichst intensiv vorzustellen, damit er detailliert notiert
werden kann.
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Wenn
man später mit der Traumanalyse beginnt, kann man zu den Notizen
im Traumtagebuch erneut bildhaft das Traumgeschehen in Erinnerung
rufen. Wer das gut beherrscht, kann den Traum fast wie einen Film
nochmals vor dem inneren Auge ablaufen lassen, ihn jederzeit anhalten,
um wichtige Teile genauer zu untersuchen, oder ihn zurückspulen,
um verschiedene Passagen miteinander in Beziehung zu setzen.
Schließlich kann man bei gutem Vorstellungsvermögen zu den
verschiedenen Trauminhalten auch noch bildhafte Assoziationen
entwickeln, aus denen man die Bedeutungen leichter als aus Worten
erkennt.
Allerdings kann es auch vorkommen, dass Träume in der
nachträglichen Vorstellung verfälscht werden, also
Träume mit neuen Inhalten und Aussagen entstehen. Das kann auf
innere Widerstände zurück zu führen sein.
Deshalb kontrolliert man die Vorstellungen stets daraufhin, ob sie mit
den ursprünglichen Aufzeichnungen im Traumtagebuch
übereinstimmen. Stärkere Abweichungen davon deuten oft auf
unbewusste Verfälschungen hin. Dann analysiert man den Traum
besser mit Hilfe des Traumtagebuchs, das die ersten Erinnerungen
festhält.
Unbedingt notwendig ist es nicht, zur Traumdeutung das
Vorstellungsvermögen zu verbessern. Da man aber auch im
täglichen Leben davon profitiert, sind die Übungen doch
grundsätzlich zu empfehlen.
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